Dienstag, 9. Februar 2010

Müde Krieger

Wann ist ein Krieg zu Ende? Wenn alle zu erschöpft sind, ihre Toten zu betrauern? Wenn sich die Generäle nach ihrem Sessel am Kamin sehnen? Wer hat dann eigentlich gesiegt? Der, der die Kapitulationsurkunde entgegennimmt?
Ich sehne mich nach meinem Leben und meiner Pflicht. Nach der Ebene da unten.
Doch ich weiß, daß in den Mühen der Ebene meine Pflicht eine andere sein wird als früher, wie sich auch mein Leben gewandelt hat.

Montag, 8. Februar 2010

Schneller Sieg?

Nachdem ich mich zum ersten Mal fit und der Welt draußen wieder gewachsen fühlte, wollte ich natürlich sofort weg vom Zauberberg und meinen Entlassungstermin am Freitag unbedingt halten.
Als mich morgens ein angst- und panikgebeutelter Mitpatient weinend und hyperventilierend bat, ihm zu helfen, denn er hätte gestern abend sein Handy in der Oper verloren und wäre nicht in der Lage, danach zu recherchieren, hatte ich das Gefühl, nicht mehr zu dieser Gemeinschaft der Versehrten zu gehören.
Die Ärzte bremsten mich sanft: Ich hätte alle Zeit der Welt, könnte selbst entscheiden, wann ich gehe, rieten mir aber zur sanften Landung und nicht zum schnellen Absprung.
Gut, gut.

Sonntag, 7. Februar 2010

Letzte Scharmützel

Wie es scheint, bin ich nun endlich durch. Die letzte Woche war eine einzige Katastrophe. Kopfausfälle en masse. Ein neuerliches Angebot, zu verlängern. Ungeduldiges Trampeln meiner Klienten aus dem Arbeitsbereich.
Ich fuhr mit den blödesten Gedanken nach Hause, um einen großen Wochenend-Alltagstest zu überstehen und war auf das Schlimmste eingestellt. Aber siehe da, es funktionierte. Ich fühlte mich nicht mehr wie falsch abgeliefert. Im Gegenteil. Mir ging es gut, ich wollte am Abend nicht zurück in die Klinik, mußte es aber aus versicherungstechnischen Gründen tun.
Mir fällt ein Stein vom Herzen.

Freitag, 5. Februar 2010

Depesche

+++erde an mars+++was du beschreibst: genau so ging es mir von august bis zur einlieferung in die klinik. scheint, dass du sehr gut auf dich aufpassen solltest. kümmer dich nicht, ob und welche angst andere haben. das ist ein PAL =problem anderer leute. pass gut auf dich auf. erde erwartet neue mars nachricht demnächst. erde ende+++

Hanebüchene Ausfälle. Unverständliches Gerede, Multitasking-Desaster, Data-Overload. Kinder, ich will nach Hause und mich nicht um eine Inventarnummer bewerben.

Dienstag, 2. Februar 2010

Die Siege der Devoten

Meine Zimmergefährtin geht am Donnerstag. Sie wäre gern länger geblieben, das Angebot stand auch kurz im Raum, aber der Stationsarzt will sie loswerden. - Das behauptet sie zumindest.
Nachdem er ihr in einer Einzelstunde gesagt hätte, daß er ihr nicht gewachsen sei und ihr ohnehin keinen Rat geben könne, ist sie sauer. Zusätzlich ist sie eifersüchtig auf mich. Ich sei ohnehin der Liebling der Ärzte und bekäme immer sofort meine Einzelstunden, außerdem kämen hier nur devote Leute mit ihren Wünschen weiter.
Hm.
Dicke, auf Krawall gebürstete Borderlinerinnen machen jungen, schmalen Psychiatern Angst.

Master and Servant

Mir schießt gerade etwas durch den Kopf. Ich sage es es einfach, es klingt so komisch, weil es garnicht zum Thema zu passen scheint. DU KANNST NICHT ZWEI KAISERN DIENEN. Ich weiß nicht, warum ich darauf komme.
In dieser Nacht hatten wir bereits so viel gestritten und geredet, daß die Gedanken verschwammen, der Widerstand schlafen gegangen war und die gut behüteten Tore des Unbewußten aufschwangen.
Warum? Warum dienst du entweder deinem Ego oder meinem? Was ist das für ein Schwachsinn? Warum geht es immer um dienen? Warum ist einer immer der Herr, der andere der Sklave? Geht es nicht von gleich zu gleich?

Samstag, 30. Januar 2010

Das Alien bin ich

Der Rückschlag war heftig. Meine Aufmerksamkeitsspanne beträgt wiederum nur eine Stunde, ich bin aufgedreht und todmüde zugleich. Bei meinen Trainingsausflügen in die Welt bin ich mit meinen Systemen, in die ich zurückkehre, kollidiert. in statu quo res erant ante bellum Meine Umgebung hat meinen inneren Prozeß nicht mitvollzogen - wie auch.
Der einzige Mensch, der ohne Probleme meine Veränderung akzeptiert, ist meine Tochter. Vielleicht hilft es ihr beim Gang ins Erwachsensein. Andere begrüßen meine äußere Gesundung, finden aber die innere bedrohlich. Sie hatten sich mit mir als depressiver Person, durch die sie quasi hindurchgehen konnten, angefreundet. Auch ich merke, daß ich meine alte Rolle nicht mehr spielen kann, aber in mancher Hinsicht noch kein Gefühl für meine neue Rolle habe.
Während ich im Privatleben offen mit meiner Erkrankung umgegangen bin, habe ich sie im beruflichen Umfeld weitestgehend verschwiegen. Das hat den Vorteil, daß Klatsch und Spekulation von mir nicht noch zusätzlich genährt wurden. Es hat den Nachteil, daß alle erwarten, daß ich funktioniere und reagiere wie vorher, nur fitter und belastbarer, wegen des langen Urlaubs, den ich vorgeblich hatte.
Es gibt Arbeitspartner, mit denen ich mich ohnehin gut verstehe, bei denen wird eine Veränderung höchstens ein "aha!" oder "endlich!" auslösen und es gibt Leute, denen ich meine Aufmerksamkeit gerade bockig verweigere, weil sie schon wieder quengelnd an meinem Rockzipfel zerren.
Ich habe beschlossen, mit den selektiven, individuellen Ausreden für meinen dreimonatigen Arbeitsausfall aufzuhören. Ich werde meinen Klinikaufenthalt von nun ab offen ansprechen, wenn auch ohne Details. Wer dann mit mir nichts mehr zu tun haben will, soll gehen.

Freitag, 29. Januar 2010

Breakdown

Ein Schritt vor, zwei zurück, das scheint meine bevorzugte Bewegungsart zu sein.
Eine Woche Verlängerung.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Bagatellschäden

Die Ängste wegen meines Hirnausfalls haben sich wieder verflüchtigt. Die Ärzte bezweifelten, daß mir ein paar Synapsen durchgeschmort wären und tippten eher auf unterschwellige Ablehnung. Ich freue mich schon darauf, wenn ich im Job anfange, ein Gespräch unterschwellig abzulehnen.
Der Zeitpunkt der Rückkehr ist mittlerweile sichtbar. Nächste Woche Freitag werde ich meine gesammelten Klamotten packen, ein paar mir liebgewordene Bilder unter den Arm klemmen und in die Homebase zurückkehren.
Die durcheinanderschwirrenden Details der Zukunftsperspektive fahren aufeineinander zu und fokussieren sich. Was ich sehe, ist zum Teil unabwendbar und nicht sehr erfreulich. Aber ein kleiner Trampelpfad auf der Wiese des Lebens ist allemal besser als der ausgefahrene Hohlweg, den ich in den letzten Jahren benutzte.
Natürlich kratzt es mich, wenn ich hier gesagt bekomme: Sie wissen nicht, was Sie wollen. Denn im Grunde Hirns, Herzens und Bauchs weiß ich es. Spüren, wo der Wind herkommt, Segel setzen und schauen, was auf der anderen Seite des Ozeans ist. Daß ich Salzwasser spucken und fluchen werde, daß ich auch die letzte brackige Neige im Wasserfaß trinken und Momente haben werde, in denen ich inständig hoffe, daß da auf der anderen Seite überhaupt etwas ist, das ist inklusive. Aber das ist das Leben. Ich werde mir die Erlaubnis dazu selbst erteilen.

Zauber-Berg

Die Mars-Chroniken

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Über den dunklen See
und erst als das Ufer weit entfernt ist, merkst du,...
ziemssen - 20. Nov, 12:33
Zur Endlagerstätte
Wieder ein Herbst. Noch ist es nicht hoher November,...
ziemssen - 3. Nov, 12:32
Durch die sibirischen...
Den Winter über habe ich mir mit Chemie die Seele gewärmt....
ziemssen - 2. Apr, 15:34
November-Unruhen
Dieser November schickt mich in eine längst überwunden...
ziemssen - 30. Nov, 18:12
Wiederaufbau II
Es ist jetzt fast drei Jahre her, dass die Fronten...
ziemssen - 24. Nov, 21:57

Links

Suche

 

Status

Online seit 6051 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 20. Nov, 12:36

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren